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NEWS


TNS ILRES / Gallup International
END OF THE YEAR POLL 2005


Fast die Hälfte (48%) der rund 52.000 Menschen, die im Rahmen des Gallup International End of the Year Poll 2005 befragt wurden, ist optimistisch, dass das kommende Jahr 2006 für sie persönlich besser ausfallen wird als das letzte Jahr 2005. In Luxemburg hingegen sind wieder pessimistischere Zeiten angebrochen, denn mit einem Bevölkerungsanteil von 44% erwarten doppelt so viele Einwohner Luxemburgs als im Vorjahr ein Jahr mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Diese und noch weitere Feststellungen ergeben sich aus den diesjährigen Resultaten des Gallup International End of the Year Poll 2005. In Luxemburg hat TNS ILRES die Umfrage durchgeführt, dabei gaben zwischen dem 18. November und dem 5. Dezember 2005 insgesamt 699 Einwohner des Großherzogtums Auskunft über ihre Erwartungen für das kommende Jahr 2006.
 

 

Zur Befragung

Koordination: Gallup International Association
Durchführung: Mitglieder von Gallup International und assoziierte Institute in 62 Ländern
Stichprobe: National repräsentative Stichproben; 51.946 Befragte insgesamt
Methode: Telefonisch, Face to Face oder Access Online Panel
Zeitraum: November und Dezember 2005

In Luxemburg:
Durchführung: TNS ILRES
Stichprobe: national repräsentativ für die Bevölkerung ab 15 Jahren, 699 Interviews
Methode: Kombination aus CATI (Computer Assisted Telephone Interviewing) und TNS ILRES MyPanel
Zeitraum: 18. November - 5. Dezember 2005

 

Persönliche Erwartungen

„Wat Iech selwer ubelaangt, mengt Dir dass dat nächst Joer 2006 besser oder manner gutt gëtt wéi dëst Joer 2005?“, lautet die Frage, die TNS ILRES nun schon seit über 20 Jahren im Rahmen des Gallup International End of the Year Poll stellt.

Um einen ersten Gesamteindruck über die Zukunftsaussichten der Luxemburger zu erhalten, ist diese Frage sehr allgemein gehalten. Sie erfasst unter anderem die beruflichen, privaten und die finanziellen Erwartungen der Bevölkerung. Die Beantwortung dieser Frage, die außerdem stark durch die jeweilige politische und wirtschaftliche Entwicklung des Großherzogtums beeinflusst wird, lässt - genereller ausgedrückt - auf eine optimistische oder pessimistische Grundeinstellung der Bevölkerung schließen.

Die diesjährige Befragung zeigt, dass die optimistische Einstellung der Luxemburger, die in den beiden letzten Jahren vorherrschte, seltener geworden ist. Nur noch 29% der Befragten, gegenüber 40% in den beiden Jahren 2003 und 2004, äußerten, dass das nächste Jahr für sie in persönlicher Hinsicht besser wird als das vergangene. Nennenswerte Differenzen im Vergleich zum Vorjahr zeigen sich auch beim Anteil der Pessimisten: Erwarteten Ende 2004 insgesamt 12% der Befragten ein weniger gutes Jahr (2005), so ist diesmal fast ein Viertel (23%) der Luxemburger davon überzeugt, dass das kommende Jahr (2006) für sie weniger gut ausfallen wird.

Luxemburg, dessen Bürger im vergangenen Jahr noch zu den optimistischsten in Westeuropa gehörten, nimmt mit den diesjährigen Ergebnissen nur noch ein Platz im Mittelfeld ein. Zu den zuversichtlichsten Ländern in Westeuropa gehören, wie übrigens auch im letzten Jahr, in erster Linie die skandinavischen Staaten Norwegen (50%), Dänemark (46%) und Finnland (36%), sowie das Vereinigte Königreich (42%). Die persönlichen Erwartungen der Menschen im westlichen Europa lassen in diesem Jahr außerdem ein ausgeprägtes Nord-Süd-Gefälle erkennen. Allgemein gilt: Je südlicher ein Land liegt, desto höher ist der Anteil pessimistischer Stimmen.

Betrachtet man die Resultate auf internationaler Ebene, so wird ersichtlich, dass Optimismus oder Pessimismus nicht unbedingt mit der politischen Lage oder gar dem Reichtum eines Staates oder seiner Bevölkerung zusammenhängen. Die folgende heterogene Liste von Ländern, deren Einwohner überwiegend positiv in die Zukunft schauen, belegt diese Behauptung: die Mehrheit der Befragten in Vietnam (75%), in der chinesischen Stadt Peking (75%), im von der UNO verwalteten Kosovo (73%), in Afghanistan (69%), Indien, Venezuela, Nigeria (jeweils 61%), Senegal, Südafrika (jeweils 60%) und Neuseeland (59%) ist davon überzeugt, dass 2006 ein besseres Jahr für Sie persönlich wird. Zu den Top 5 der Pessimisten gehören auf internationaler Ebene Bosnien-Herzegowina (54%), die Philippinen (50%), Serbien (47%), Portugal (46%) und Frankreich (43%).

Auf internationaler Ebene fälle weiterhin auf, dass die Europäer weitaus weniger optimistisch sind als die Einwohner anderer Erdteile. Während nur 31% der Europäer - in persönlicher Hinsicht - ein besseres Jahr 2006 erwarten, liegen die entsprechenden Werte bei 47% in der Region des Mittleren Ostens, 51% auf dem amerikanischen Kontinent, 54% im pazifischen Raum und 57% im allerdings nur sehr lückenhaft erfassten afrikanischen Kontinent.

 

Die wirtschaftliche Entwicklung

Die zukünftige Entwicklung der Wirtschaft wird in diesem Jahr besonders pessimistisch von den Einwohnern Luxemburgs eingeschätzt. Dies geht aus den Ergebnissen der zweiten Frage hervor: „Mengt Dir, dass dat nächst Joer 2006 am Verglach mat dësem Joer, e Joer vu wirtschaftlechem Opschwong, wirtschaftlechen Schwieregkeeten oder d’selwecht wéi elo wärt ginn?“

Bedenklich ist in erster Linie, dass sich der Bevölkerungsanteil jener, die sich auf ein Jahr mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten einstellen, im Vergleich zum Vorjahr genau verdoppelt hat und nunmehr 44% beträgt. 43% der Befragten gehen davon aus, dass sich die wirtschaftliche Lage im kommenden Jahr nicht wesentlich verändern wird, während 12% einen Aufschwung der Wirtschaft erwarten.

Die Umfragedaten bezüglich der wirtschaftlichen Entwicklung entsprechen mehr oder weniger der Konstellation von 2002, einem Jahr, in dem die Bevölkerung Kenntnis nahm vom drastischen Einbruch des Bruttoinlandsprodukts (von 9% im Jahr 2000 auf 1,5% im Jahr 2001). Im Gegensatz zu 2002 jedoch entwickelte sich der außerordentlich ausgeprägte Pessimismus dieses Jahres kaum unter dem Eindruck einer Verschlechterung der Wirtschaftsdaten und diesbezüglicher Prognosen, sondern wohl eher im Rahmen der viel und kontrovers diskutierten Sparmaßnahmen im Vorfeld der Verabschiedung des Staatshaushalts. Aber auch die angespannte Lage auf dem Arbeitsmarkt, oder etwa die Diskussionen über die Einschränkung der Koppelung der Löhne an den Index, die thematisierten Konsequenzen einer Index-Tranche für die Staatsfinanzen, oder aber der Arbeitsplatzabbau und die Restrukturierung einiger Unternehmen dürften zur skeptischen Haltung der Bevölkerung beigetragen haben. Die eben genannten Themen lassen die öffentliche Meinung keineswegs unberührt und schaffen - zumindest innerhalb verschiedener Bevölkerungsgruppen - ein Klima der Vorsicht und Zurückhaltung. Überdurchschnittlich pessimistisch in Luxemburg sind Frauen (50%) sowie Personen in der Alterskategorie 25 bis 34 Jahre (53%).

Im westeuropäischen Vergleich gehören die Luxemburger nunmehr zur Gruppe jener Länder, in denen die pessimistische Einstellung bezüglich der künftigen wirtschaftlichen Entwicklung besonders stark ausgeprägt ist. Der Anteil der Einwohner Luxemburgs, die ein Jahr mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten erwarten, liegt mit 44% in einer ähnlichen Größenordnung wie in den Nachbarländern Deutschland (40%), Frankreich (40%) oder Belgien (48%), ohne jedoch die höchsten westeuropäischen Raten in Portugal (55%) oder in Griechenland (63%) zu erreichen.
 

 

Die Beschäftigungslage

Die Einschätzungen der Luxemburger zur Entwicklung des Arbeitsmarkts bleiben auch im diesjährigen „End of the Year Poll“ negativ behaftet und liegen recht nahe an den Ergebnissen der drei letzten Erhebungen der Jahre 2002 bis 2004. Insgesamt 74% der Befragten schätzten, dass sich die Zahl der Arbeitslosen im nächsten Jahr leicht (61%) oder viel (14%) erhöhen wird. Nur 10% waren vom Gegenteil überzeugt. Mit einem Bevölkerungsanteil von 74%, der eine Erhöhung der Arbeitslosenrate erwartet, ist Luxemburg übrigens absoluter Spitzenreiter unter den 62 in der Studie erfassten Ländern.

Im Vergleich zum Vorjahr kann eine Zunahme des Anteils der Pessimisten (+4%) und der Optimisten (+1%) registriert werden, einhergehend mit der Abnahme (-5%) des Anteils jener Befragten, die von einer gleich bleibenden Arbeitslosenquote ausgehen. Die öffentliche Meinung liegt in diesem Zusammenhang auf einer ähnlichen Linie wie die Expertenmeinungen, die eine weitere Steigerung der Arbeitslosenquote für das Jahr 2006 prognostizieren. Die wesentlichen Veränderungen der öffentlichen Meinung im Zusammenhang mit der Beschäftigungslage können überwiegend auf die Jahre 2001 und 2002 zurückgeführt werden. In diesen Jahren, in denen die Arbeitslosenquote in Luxemburg erkennbare Schritte nach oben machte, kam es auch in den Umfragen zu einem deutlichen Anstieg des Anteils jener, die höhere Arbeitslosenzahlen für das kommende Jahr erwarteten. Das Muster, das sich 2002 etablierte, blieb trotz einer beträchtlichen Erhöhung der Arbeitslosenzahlen nach 2002 mehr oder weniger bis heute erhalten.

Auch die Sicherheit des eigenen Arbeitsplatzes wird nahezu identisch eingeschätzt wie im Vorjahr. 82% der berufstätigen Befragten, gegenüber 80% im letzten Jahr, gaben an, ihr Arbeitsplatz sei sicher, während 18% äußerten, es bestehe ein Risiko, die Arbeitsstelle zu verlieren.

Die schwierige Situation auf dem Arbeitsmarkt spiegelt sich deutlich in den Angaben zur Arbeitsplatzsuche wider. Wäre der Befragte in der Situation, sich eine neue Arbeit suchen zu müssen, so geben 38% an, sie würden rasch wieder eine neue Arbeitsstelle finden. Die große Mehrheit der Befragten (57%) gibt allerdings zu bedenken, dass es längere Zeit dauern könnte, bis eine neue Beschäftigung erlangt werden könnte. Diese Ergebnisse können allerdings relativiert werden, bedenkt man einerseits, dass ein Großteil der Befragten (82%) angibt, über eine sichere Arbeitsstelle zu verfügen. Andererseits jedoch weisen 12% der hierzulande lebenden Berufstätigen, neben dem Risiko des Arbeitplatzverlustes, zusätzlich darauf hin, dass die Suche nach einer neuen Arbeit wahrscheinlich eine längere Zeit in Anspruch nehmen könnte. Weitere 6% schließlich sehen ein Risiko, ihre Arbeit zu verlieren, rechnen hingegen damit, schnell wieder eine neue Stelle zu finden.

 

Sozialkonflikte

64% der Luxemburger glauben - was das Ausmaß der Sozialkonflikte anbelangt - an keine wesentlichen Veränderungen für das kommende Jahr 2006. Der Anteil jener, die annehmen, dass es im nächsten Jahr mehr Sozialkonflikte geben wird, liegt bei 30%.

Die Ergebnisse zur Entwicklung der Zahl der Sozialkonflikte und Streiks sind äußerst konstant seit dem Jahr 2003. Erwähnenswert ist außerdem, dass die von den Befragten erwartete Verschärfung der wirtschaftlichen Situation nicht direkt mit der Erwartung einer Zunahme der Sozialkonflikte einhergeht. Somit könnte interpretiert werden, dass ein Großteil der Bevölkerung - trotz der Erwartung zunehmender wirtschaftlicher Schwierigkeiten - nach wie vor an die Problemlösungskapazität des konsensualen Luxemburger Sozialmodells glaubt. Andererseits wäre es auch möglich, dass viele Befragte nur von einer geringfügigen Verschlechterung der wirtschaftlichen Situation des Landes ausgehen, und somit auch einen wesentlichen Anstieg der Sozialkonflikte für unwahrscheinlich halten.

 

Internationale Konflikte

Auf die Frage „Mengt Dir, dass dat nächst Joer 2006 e rouegt Joer gëtt ouni vill international Konflikter oder en onrouegt Joer mat villen internationalen Streidereien, oder bleiwt et d'selwecht wéi elo?“ antworteten 50% der befragten Einwohner Luxemburgs, dass das Jahr 2005 zahlreiche internationale Konflikte bringen wird, ein Minus von immerhin 9 Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahr. 42% gehen davon aus, dass die Zahl der internationalen Konflikte stabil bleibt, während nur 6% ein friedliches Jahr mit wenig internationalen Auseinandersetzungen erwarten.

Die Luxemburger gehören - wie auch im letzten Jahr - zu den Ländern, die eine eher pessimistische Sichtweise der zukünftigen Entwicklung des internationalen Friedens einnehmen. Der in Luxemburg gemessene Anteil (50%) jener, die ein unruhiges Jahr mit zahlreichen internationalen Streitigkeiten erwarten, wird unter den 62 Ländern, die am End of the Year Poll teilnahmen, nur von den Dänen, den Schweizern (jeweils 55%) und den Australiern (51%) übertroffen.
 

 


 
 





   TNS_ILRES_End_of_the_Year_Poll_2005.zip
 

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