Das Image der USA und die Bewertung ihrer Politik in Luxemburg
Im rezenten Präsidentschaftswahlkampf in den USA spielte die außenpolitische Orientierung der Vereinigten Staaten eine wesentliche Rolle. Die Wahlen sowie der umstrittene Politikkurs der Supermacht USA unter George W. Bush veranlasste Gallup International dazu, sich im Rahmen der jährlichen Umfrage „Voice of the people“ näher mit den USA und deren Image in der Welt zu befassen. Diese Studie wurde in über sechzig Ländern durchgeführt. In Luxemburg befragte ILReS - als Partner von Gallup International - vom 7. bis zum 15. Juli 2004 eine repräsentative Stichprobe von 500 Einwohnern Luxemburgs zum Thema USA.
Das Image der USA
Zunächst wird deutlich, dass das Image der USA in Luxemburg nicht allzu positiv ist: 28% der befragten Einwohner Luxemburgs haben eine positive Meinung von den USA, 43% äußern sich negativ, und 29% der Befragten nehmen eine neutrale Haltung gegenüber den USA ein. Betrachtet man die Resultate in den einzelnen Alterskategorien, so ist festzuhalten, dass sich nur bei den über 65-Jährigen positive (34%) und negative (33%) Bewertungen in etwa die Waage halten.
Zu einer aufschlussreichen Evaluation der vorherrschenden öffentlichen Meinung zu den USA bietet sich der Vergleich mit dem Image anderer Staaten an. Die Resultate in der unten stehenden Tabelle, die sich auf die Bewertungen der G8-Staaten beziehen, zeigen, dass besonders Kanada sowie die beiden großen Nachbarstaaten Luxemburgs - Frankreich und Deutschland - eine hohe Wertschätzung in der Bevölkerung Luxemburgs genießen. Die Meinungen zu Italien und zu Großbritannien sind geteilt, allerdings noch mit einer leicht positiven Tendenz, während die USA und Russland mehrheitlich auf eine neutrale oder sogar auf eine ablehnende Haltung seitens der luxemburgischen Bevölkerung stoßen.
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Das Image der G8-Staaten in Luxemburg
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in %
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(sehr und eher) positiv
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(sehr und eher) negativ
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neutral
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keine Antwort
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Kanada
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61
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3
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34
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2
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Frankreich
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54
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15
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30
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0
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Deutschland
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51
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13
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35
|
0
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Japan
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38
|
13
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47
|
3
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Italien
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37
|
28
|
34
|
1
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Vereinigtes Königreich
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35
|
28
|
35
|
1
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USA
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28
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43
|
29
|
1
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Russland
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19
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38
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42
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2
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Einfluss der US-Außenpolitik auf Luxemburg
Die Bewertung des Einflusses der US-Außenpolitik auf Luxemburg ergibt ein geteiltes Bild: 24% der befragten Einwohner Luxemburgs äußern, die US-Außenpolitik habe positive Auswirkungen für Luxemburg, während 35% der Befragten einen negativen Einfluss vermuten. Besonders auffallend bei diesen Ergebnissen ist das zu beobachtende „Altersgefälle“: eine erdrückende Mehrheit der jungen Bevölkerung (bis 30 Jahre) sieht die Konsequenzen der US-Außenpolitik als negativ für Luxemburg, während andererseits ältere Bürger weitaus häufiger positive Effekte sehen. Die Meinungen des älteren Bevölkerungsanteils reflektieren hierbei wohl eher einen längerfristigen Zeitraum der US-Außenpolitik, die weit über die Amtszeit eines George W. Bush hinausreicht. Ältere Personen sind Zeitzeugen der Befreiung Europas und ihre Einstellungen sind stärker geprägt durch die Zeit des Kalten Krieges, in der die Vereinigten Staaten als wesentlicher Garant der Sicherheit in Westeuropa auftraten.
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Einfluss der US-Außenpolitik auf Luxemburg
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positiv
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negativ
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kein Einfluss
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keine Antwort
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Weniger als 30 Jahre
30 – 50 Jahre
50 – 65 Jahre
Mehr als 65 Jahre
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10
25
25
37
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42
35
32
28
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47
34
37
31
|
1
6
6
3
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Total
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24
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35
|
37
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4
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Die Rolle der USA in verschiedenen Politikfeldern
Die Bewertung der US-Politik in verschiedenen Bereichen lässt detailliertere Rückschlüsse zu, warum das allgemeine Image der USA in Luxemburg doch eher zum Negativen tendiert, oder warum die Mehrheit der Bevölkerung der Meinung ist, dass die Außenpolitik der USA negative Auswirkungen auf Luxemburg hat. Abgefragt wurde die Rolle der USA in den Bereichen Wachstum der Weltwirtschaft, Umweltschutz, Armut in der Welt, Bekämpfung des Terrorismus und Weltfrieden.
Wachstum der Weltwirtschaft
Von den fünf abgefragten Items wird eigentlich nur die Rolle der USA im Bereich des Wachstums der Weltwirtschaft überwiegend positiv bewertet. Die Wirtschaftshilfe der Amerikaner im Rahmen des Marshall-Plans oder das Drängen der USA auf die Durchsetzung einer liberalen Weltwirtschaftsordnung, die ihre Quellen etwa im GATT-Abkommen (mittlerweile WTO) oder in den Bretton Woods-Institutionen (etwa der Internationale Währungsfonds) findet, trug schließlich auch in wesentlicher Form zum Wirtschaftswachstum Europas - und somit auch Luxemburgs - bei. Negative Stimmen könnten dagegen berücksichtigen, dass die Amerikaner eine selektive Sicht des Freihandels einnehmen: Sind eigene Industriezweige auf internationalen Märkten nicht wettbewerbsfähig, so besteht eine starke Tendenz zu protektionistischem Verhalten, wie etwa im Falle der Erhöhung der Zölle auf ausländische Stahlerzeugnisse. Kritische Stimmen könnten weiterhin bemängeln, dass besonders die Entwicklungsländer zu den Verlierern der liberalen Weltwirtschaftsordnung zählen, oder etwa, dass die von den USA propagierte liberale Weltwirtschaftsordnung im Endeffekt nur den multinationalen Konzernen Vorteile bringt.
Bei allen anderen Aspekten, die abgefragt wurden, überwiegen die negativen Einschätzungen zur US-Politik.
Umweltschutz
Am stärksten betrifft dies den Bereich Umwelt, in dem die Rolle der USA von 64% der Befragten als negativ angesehen wird. Insbesondere die - allseits bekannte - beharrliche Weigerung der Amerikaner, das Kyoto-Protokoll zur Reduktion von Treibhausgasen zu ratifizieren, dürfte die Befragten zu dieser Einschätzung veranlasst haben.
Kampf gegen die Armut
Der Beitrag der USA im Rahmen der Armutsbekämpfung in der Welt wird ebenfalls überwiegend negativ bewertet (von 50% der Befragten, gegenüber 19% der Befragten, die eine positive Rolle der USA in diesem Bereich hervorheben). Im Gegensatz etwa zum Umweltbereich ist hier davon auszugehen, dass die Antworten weniger durch bekannte Fakten beeinflusst wurden, denn nur die wenigsten Luxemburger dürften wissen, wie viel Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts (BIP) die USA in Entwicklungshilfe stecken, in welchem Ausmaß die USA internationale Organisationen im Bereich der Entwicklungszusammenarbeit unterstützen, oder wie die Wirtschaftsbeziehungen zwischen den USA und weniger entwickelten Staaten aussehen.
Frieden in der Welt und die Bekämpfung des Terrorismus
Weitere Aspekte der US-Politik, die zur Bewertung vorgelegt wurden, betreffen den Frieden in der Welt sowie den Kampf gegen den Terrorismus. Bei beiden Aspekten sind die Negativ-Stimmen wiederum zahlreicher als die Positiv-Stimmen, wenngleich jedoch die Rolle der USA bei der Bekämpfung des Terrorismus (39%) insgesamt auf mehr Zustimmung trifft als ihre Tätigkeiten zur Sicherung des Weltfriedens (25%). Die etwas höhere Bestätigung der USA im Bereich der Terrorismusbekämpfung hängt wahrscheinlich zusammen mit den tragischen Ereignissen des 11. September und dem allgemeinen daraus erwachsenden Verständnis, dass Handlungsbedarf in diesem Bereich besteht. Kritische Stimmen (45% der Befragten) sprechen sich also kaum gegen die Bekämpfung des Terrorismus aus, sondern sind nicht einverstanden mit den von den USA angewendeten Mitteln (Präemptivschläge etc.). Die wahrgenommene negative Rolle der USA bei der Wahrung des Weltfriedens schließlich (57% der Befragten) wird wohl maßgeblich durch die völkerrechtswidrige militärische Intervention im Irak beeinflusst.
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Bewertung der US-Politik in verschiedenen Bereichen
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positiv
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negativ
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neutral
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Keine Antwort
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Wachstum der Weltwirtschaft
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42
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29
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27
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2
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Der Kampf gegen den Terrorismus
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39
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45
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15
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1
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Frieden in der Welt
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25
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57
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16
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2
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Der Kampf gegen Armut in der Welt
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19
|
50
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28
|
2
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Umweltschutz
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13
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64
|
20
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2
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Letztlich sei erwähnt, dass USA-kritische Positionen in Luxemburg drastisch mit steigendem Bildungsniveau zunehmen. Betrachtet man weiterhin die verschiedenen Alterskategorien, so sind es die Personen mit über 65 Jahren, die die USA am wenigsten negativ beurteilen. Die negativen Stimmen innerhalb der Bevölkerung Luxemburgs sind allgemein zahlreicher als die positiven Einstellungen und variieren leicht, je nach Politikbereich. Als gemeinsames Bindeglied der vorgebrachten Kritiken kann der Politikstil der Administration Bush vorgebracht werden: unabhängig nun, ob es sich um Umweltschutz, Armut oder Frieden in der Welt handelt, besteht eine Tendenz der USA zu einseitigen, unilateralen Aktionen. Eine verstärkte Bereitschaft der USA zur internationalen Zusammenarbeit könnte nicht nur den transatlantischen Dialog entscheidend verbessern, sondern sicherlich auch die öffentliche Meinung der Luxemburger über die USA.
Weitere Informationen (etwa die Resultate der Studie aus über 60 Ländern) zur Gallup International/ILReS-Umfrage über die USA sind unter http://www.ilres.com zu finden.
Technische Details zur Umfrage
Thema: Das Image der USA und deren Politik in Luxemburg. Die Erhebung geschah im Rahmen der internationalen Studie „Voice of the people“.
Erhebungsmethode: CATI ( Computer Assisted Telephone Interviewing ).
Stichprobe: repräsentative Stichprobe von 500 Einwohnern Luxemburgs, die 15 Jahre und älter sind.
Feldarbeit: 7. bis 15. Juli 2004