ILReS / Gallup International END OF THE YEAR POLL 2004
Zahlreiche Länder in der Welt sind optimistisch, dass das kommende Jahr 2005 besser ausfallen wird als 2004. Besonders in Westeuropa hält sich der Optimismus jedoch in Grenzen. Diese und noch weitere Feststellungen ergeben sich aus den Resultaten des Gallup International End of the Year Poll 2004. Die Befragung von mehr als 60.000 Menschen aus über 65 Ländern wurde im November und Dezember 2004 durchgeführt. Die telefonische Befragung in Luxemburg wurde durch ILReS vom 8. bis zum 14. November 2004 bei 500 Einwohnern des Großherzogtums durchgeführt.
Zur Befragung Koordination: Gallup International Association Durchführung: Mitglieder von Gallup International und assoziierte Institute in 68 Ländern Stichprobe: national repräsentativ, die Stichprobengröße variiert zwischen 200 und 5012 Befragten pro Land; 62.096 Befragte insgesamt Methode: Telefonisch oder bei den Befragten zu Hause Zeitraum: November und Dezember 2004 In Luxemburg: Durchführung: ILReS s.a. Stichprobe: national repräsentativ für die Bevölkerung ab 15 Jahren, 500 Befragte Methode: CATI (Computer Assisted Telephone Interviewing) Zeitraum: 8. bis 14. November 2004 |
Persönliche Erwartungen
„Wat Iech selwer ubelaangt, mengt Dir dass dat nächst Joer 2005 besser oder manner gutt gëtt wéi dëst Joer 2004?“, so lautet die Frage, die ILReS nun schon seit über 20 Jahren im Rahmen des Gallup International End of the Year Poll stellt.
Um einen ersten Gesamteindruck zu den Zukunftsaussichten der Luxemburger zu erhalten, ist diese Frage sehr allgemein gehalten. Sie erfasst somit die beruflichen, privaten oder aber auch die wirtschaftlichen Erwartungen der Bevölkerung. Die Beantwortung dieser Frage, die auf eine optimistische oder pessimistische Grundeinstellung der Bevölkerung schließen lässt, wird außerdem stark durch die jeweilige wirtschaftliche und politische Entwicklung des Großherzogtums beeinflusst.
Die diesjährige Befragung in Luxemburg zeigte, dass der ausgeprägte Optimismus, der bereits im Vorjahr festgehalten wurde, weiterhin vorherrscht. Wiederum äußerten 40% der Befragten, dass das nächste Jahr für sie in persönlicher Hinsicht ein besseres wird als das vergangene. Nennenswerte Differenzen im Vergleich zum Vorjahr ergaben sich hingegen bei der Anzahl der Pessimisten: Erwarteten Ende 2003 insgesamt 22% der Befragten ein weniger gutes Jahr 2004, so sind diesmal lediglich 12% der Luxemburger davon überzeugt, dass das Jahr 2005 für sie weniger gut ausfallen wird.

Auf (west-)europäischer Ebene gehört Luxemburg auf jeden Fall zu den optimistischsten Ländern, denn nur die Finnen (40%), Spanier (42%), Norweger (49%) und Dänen (52%) sehen ähnlich oder noch zuversichtlicher in die Zukunft. Auffallend ist die Zusammensetzung der Liste der europäischen Länder, die dem nächsten Jahr am negativsten entgegen sehen, darunter die Griechen (48%), Niederländer (41%), Franzosen (34%), Portugiesen (30%), Deutschen (28%) und Italiener (27%). Es ist wohl kein Zufall, dass ausgerechnet die eben genannten Staaten in der Frühjahrsprognose 2004-2005 der Europäischen Kommission (veröffentlicht am 7.4.2004) im Zusammenhang mit einer ungünstigen Entwicklung der öffentlichen Finanzen hervorgehoben wurden. Die Bemühungen dieser Staaten, den Kriterien des Stabilitäts- und Wachstumspakts gerecht zu werden, d.h. ein Haushaltsdefizit von über 3% des BIP zu vermeiden, führt gewöhnlich zu Kürzungen der Sozialleistungen, von denen im Endeffekt zahlreiche Menschen betroffen sind.
Betrachtet man die Resultate auf internationaler Ebene, so wird ersichtlich, dass Optimismus oder Pessimismus nicht unbedingt mit der politischen Lage oder gar dem Reichtum eines Staates oder seiner Bevölkerung zusammenhängen. Die folgende heterogene Liste von Ländern, deren Einwohner positiv in die Zukunft schauen, belegt diese Behauptung: die Mehrheit der Befragten in Tunesien (72%), Vietnam (72%), Georgien (71%), in den chinesischen Städten Peking (70%) und Hong Kong (70%), in Kuwait (70%), im von der UNO verwalteten Kosovo (67%), in Panama (66%) und in den USA (65%) ist davon überzeugt, dass 2005 ein besseres Jahr für Sie persönlich wird. Zu den Top 5 der Pessimisten gehören auf internationaler Ebene die Philippinen (52%), die Griechen (48%), die Südkoreaner (45%), die Serben (43%) und die Niederländer (41%).
Die wirtschaftliche Entwicklung
Auch auf wirtschaftlicher Ebene sind die Luxemburger für das Jahr 2004 wieder weniger pessimistisch, wenngleich auch die Zahl der Optimisten - im Vergleich zum Vorjahr - leicht abnimmt. Dies geht deutlich aus den Ergebnissen der zweiten Frage hervor: „Mengt Dir, dass dat nächst Joer 2005 am Verglach mat dësem Joer, e Joer vu wirtschaftlechem Opschwong, wirtschaftlechen Schwieregkeeten oder d’selwecht wéi elo wärt ginn?“
Bemerkenswert ist der deutliche Rückgang jenes Bevölkerungsanteils, der auf wirtschaftliche Schwierigkeiten hinweist: Äußerten 2002 noch 45% der Befragten, das kommende Jahr werde ein Jahr der wirtschaftlichen Schwierigkeiten, so reduzierte sich dieser Anteil 2003 auf 29%, und in diesem Jahr um weitere 7 Prozentpunkte auf 22%. Die offenkundige Abnahme des Anteils der Pessimisten ging allerdings nicht ganz mit der Zunahme des Anteils von Optimisten einher: 14% im Jahr 2002, 26% im Jahr 2003 und 21% in diesem Jahr erwarteten einen wirtschaftlichen Aufschwung für das kommende Jahr.

Die Ergebnisse der letzten Jahre zeigen schließlich deutlich, dass die Bevölkerung bei der Einschätzung der zukünftigen wirtschaftlichen Lage durchaus auf politische und wirtschaftliche Ereignisse reagiert. Das Platzen der Spekulationsblase an den Börsen im Jahr 2000 und die aus den terroristischen Anschlägen des 11. September resultierende allgemeine Unsicherheit trug wohl maßgeblich dazu bei, dass 2001 38% der Befragten wirtschaftliche Schwierigkeiten für das Folgejahr prognostizierten (gegenüber 23% im Vorjahr 2000). Ende des Jahres 2002 sahen dann sogar 45% der Befragten wirtschaftliche Schwierigkeiten voraus: Die zunehmend schwierigere Situation auf dem Arbeitsmarkt sowie das Wissen über ein sehr geringes Wirtschaftswachstum in Luxemburg führte zu einer Hochkonjunktur des Pessimismus.
Nach dieser Krisenstimmung des Jahres 2002 breitete sich jedoch langsam aber sicher wieder eine bessere Stimmung aus. Wenn jedoch in diesem Jahr 55% der Befragten behaupten, die wirtschaftliche Situation werde im nächsten Jahr in etwa gleich bleiben, so bedeutet dies vor allem, dass die Menschen - trotz positiver Signale im ersten Semester 2004 - sich noch immer nicht ganz sicher sind, ob eine spürbare wirtschaftliche Erholung denn nun wirklich eintreten wird oder nicht. Die Skepsis bzw. Vorsicht der Bevölkerung ist sicherlich teilweise auf die Tatsache zurückzuführen, dass trotz wiederholter Ankündigungen dennoch kein wesentlicher Aufschwung der Wirtschaft zu verzeichnen war.
Die Beschäftigungslage
Die Einschätzungen der Luxemburger zu den Entwicklungsaussichten des Arbeitsmarkts bleiben auch im diesjährigen „End of the Year Poll“ negativ behaftet und sind quasi identisch mit jenen der beiden letzten Erhebungen der Jahre 2002 und 2003. 71% der Befragten gaben an, dass sich die Zahl der Arbeitslosen im nächsten Jahr leicht (59%) oder viel (12%) erhöhen wird. Nur 9% sind vom Gegenteil überzeugt.

Die fortwährende strukturelle Verschärfung der Arbeitsmarktsituation - in den Jahren 2002 und besonders 2003 - sowie die zunehmende Kenntnis über die Funktionsweise des Arbeitsmarkts führen zu Skepsis was die positive Entwicklung in diesem Bereich anbelangt. Das nationale statistische Amt STATEC etwa zählt den Luxemburgern in regelmäßigen Abständen vor, dass ein Großteil der neu geschaffenen Arbeitsplätze nicht von den im Arbeitsamt eingetragenen Arbeitsplatzsuchenden besetzt werden können, und stellte weiterhin fest, dass ein Wirtschaftswachstum von etwa 5% erst die Grundvoraussetzung für eine Senkung des Arbeitslosenanteils darstellt.
Was die Sicherheit des eigenen Arbeitsplatzes anbelangt, so ist ein leichter Aufwärtstrend gegenüber dem Vorjahr zu erkennen. 80% der berufstätigen Befragten, gegenüber 75% im letzten Jahr, gaben an, ihr Arbeitsplatz sei gesichert, während 18% äußerten, es bestehe ein Risiko, die Arbeitsstelle zu verlieren.

Die bereits angeschnittene verschärfte Situation auf dem Arbeitsmarkt spiegelt sich auch in den Angaben zur Arbeitsplatzsuche wider. Wäre der Befragte etwa in der Situation, sich eine neue Arbeit suchen zu müssen, so geben 35% an, sie würden schnell wieder eine neue Arbeitsstelle finden. Die große Mehrheit der Befragten (56%) gibt jedoch zu bedenken, dass es längere Zeit dauern könnte, bis eventuell eine neue Beschäftigung erlangt werden könnte. In den Jahren 2002 und 2003 wählten nur 47% der Befragten, im Jahr 2001 nur 41% und im Jahr 2000 nur 36% der Befragten diese Antwortmöglichkeit. Die eben beschriebene Entwicklung deutet ganz klar darauf hin, dass der Arbeitsmarkt nunmehr durch eine erhöhte Geschlossenheit bzw. durch eine reduzierte Flexibilität gekennzeichnet ist, und dass es für einen Großteil der Bevölkerung heutzutage viel schwieriger wäre - im Falle eines Arbeitsplatzverlustes - adäquaten Ersatz zu finden.

Sozialkonflikte
64% der Luxemburger glauben - was das Ausmaß der Sozialkonflikte anbelangt - an keine wesentlichen Veränderungen für das kommende Jahr 2005. Der Anteil jener, die annehmen, dass es im nächsten Jahr mehr Sozialkonflikte geben wird, liegt bei 28%, ein doch eher niedriger Wert, betrachtet man die Resultate der letzten zwölf Jahre. Die Luxemburger gehen also nicht davon aus, dass für 2005 große Veränderungen im Bereich der Sozialkonflikte anstehen.

Weltfrieden
Auf die Frage „Mengt Dir, dass dat nächst Joer 2005 e rouegt Joer gëtt ouni vill international Konflikter oder en onrouegt Joer mat villen internationalen Streidereien, oder bleiwt et d'selwecht wéi elo?“ antworteten 59% der befragten Einwohner Luxemburgs, dass das Jahr 2005 viele internationale Konflikte bringen wird, ein Plus von immerhin 12 Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahr.

Die diesjährigen Einschätzungen der Luxemburger erinnern an die Rekordjahre 2001 und 2002, in denen hauptsächlich die terroristischen Anschläge des 11. September 2001, die amerikanische Reaktion in Afghanistan sowie die - damals - drohende Gefahr eines dritten Golfkriegs die öffentliche Meinung beeinflussten. Die pessimistische Haltung dieses Jahres dürfte besonders stark mit der Wiederwahl des US-Präsidenten George W. Bush zusammenhängen, dessen Präventivschlag gegen den Irak hierzulande sicherlich noch nicht in Vergessenheit geraten ist. Von Bedeutung ist in diesem Zusammenhang auch die aktuelle unsichere und unkontrollierbare Situation im Irak, die sich durch die täglichen Anschläge und Unruhen bemerkbar macht.
Es sei hinzugefügt, dass Luxemburg - von den über sechzig Ländern, die am End of the Year Poll teilnahmen - mit seinen 59% absoluter Spitzenreiter ist, was die Höhe des Anteils derjeniger anbelangt, die ein unruhiges und konfliktreiches Jahr auf internationaler Ebene erwarten. An weiterer Stelle folgen die Niederlande (58%), Großbritannien (57%), Paraguay (56%), Spanien (55%), die Schweiz (54%) und Guatemala (52%).