TNS ILRES / Gallup International Voice of the People
43% der rund 53.500 Menschen, die im Rahmen der Gallup International Voice of the People Survey 2006 befragt wurden, sind optimistisch, dass das kommende Jahr 2007 für sie persönlich besser ausfallen wird als 2006. Die Luxemburger befinden sich bezüglich der persönlichen Erwartungen im europäischen Durchschnitt und gehören damit erneut zu den weniger optimistischen Ländern. Lediglich 28% der Einwohner Luxemburgs erwarten ein besseres Jahr 2007; 23% denken, dass das Jahr 2007 für sie schlechter ausfallen wird. Diese und noch weitere Feststellungen ergeben sich aus den diesjährigen Ergebnissen der Gallup International Voice of the People Survey. In Luxemburg ist TNS ILRES für die Umfrage zuständig; zwischen dem 16. November und dem 10. Dezember 2006 gaben insgesamt 512 Einwohner des Großherzogtums Auskunft über ihre Erwartungen für das kommende Jahr 2007.
Zur Befragung
Koordination: Gallup International Association
Durchführung: Mitglieder von Gallup International und assoziierte Institute in 58 Ländern
Stichprobe: National repräsentative Stichproben; 53.500 Befragte insgesamt
Methode: Telefonisch, Face to Face oder Access Online Panel
Zeitraum: November und Dezember 2006
In Luxemburg:
Durchführung: TNS ILRES
Stichprobe: 512 Einwohner ab 15 Jahren
Methode: TNS ILRES MyPanel Internetbefragung
Zeitraum: 16. November - 10. Dezember 2006
Persönliche Erwartungen
„Wat Iech selwer ubelaangt, mengt Dir dass dat nächst Joer 2007 besser oder manner gutt gëtt wéi dëst Joer 2006?“, lautet die Frage, die TNS ILRES nun schon seit 25 Jahren im Rahmen der Gallup International Voice of the People Survey stellt.
Um einen ersten Gesamteindruck über die Zukunftsaussichten der Luxemburger zu erhalten, ist diese Frage sehr allgemein gehalten. Sie erfasst unter anderem die beruflichen, privaten sowie die finanziellen Erwartungen der Bevölkerung. Die Beantwortung dieser Frage wird weiterhin stark durch die jeweilige politische und wirtschaftliche Entwicklung des Großherzogtums beeinflusst und lässt - genereller ausgedrückt - auf eine optimistische oder pessimistische Grundeinstellung der Bevölkerung schließen.
Die Ergebnisse der diesjährigen Befragung sind quasi identisch gegenüber den Vorjahreszahlen: 28% der Befragten gehen von einem besseren Jahr 2007 aus (29% im Vorjahr), 23% erwarten für sich persönlich ein weniger gutes Jahr (ebenfalls 23% im Vorjahr) während 45% schließlich davon ausgehen, dass im kommenden Jahr keine wesentlichen Veränderungen der persönlichen Situation eintreten wird (46% im Vorjahr).

Im europäischen Vergleich situieren sich die Luxemburger in einer Position der Mitte: im Großherzogtum gibt es durchschnittlich weniger Optimisten als im restlichen Europa, etwa gleich viel Pessimisten und letztlich überdurchschnittlich viele, die an eine unveränderte persönliche Situation im kommenden Jahr 2007 glauben. Zu den zuversichtlichsten Ländern in Westeuropa gehören die Kosovaren (65% Optimisten), die Iren (56%), Schweden (55%), Norweger (52%) und die Briten (47%). Die persönlichen Erwartungen der Menschen im westlichen Europa lassen demnach auch in diesem Jahr wieder ein ausgeprägtes Nord-Süd-Gefälle erkennen. Allgemein gilt: Je südlicher ein Land liegt, desto höher ist der Anteil pessimistischer Stimmen.
Betrachtet man die Ergebnisse auf internationaler Ebene, so wird ersichtlich, dass Optimismus oder Pessimismus nicht unbedingt mit der politischen Lage oder gar dem Reichtum eines Staates oder seiner Bevölkerung zusammenhängen. Die folgende heterogene Liste von Ländern, deren Einwohner überwiegend positiv in die Zukunft sehen, belegt diese Behauptung: die Mehrheit der Befragten in Vietnam (94%), in Hong Kong (74%), in China (73%, bezieht sich nur auf 6 Städte), in Ghana (68%), Nigeria (66%), im von der UNO verwalteten Kosovo (65%), in Kanada (60%) und Venezuela (57%) ist davon überzeugt, dass 2007 ein besseres Jahr für sie persönlich wird. Zu den Top 5 der Pessimisten gehören auf internationaler Ebene gleich vier europäische Länder, darunter Griechenland (44%), Portugal (43%), Italien (39%) und Kroatien (39%). Der einzige nicht-europäische Vertreter in dieser Pessimisten-Rangliste ist der Irak (43%).
Die wirtschaftliche Entwicklung
Nach dem absoluten Stimmungstief im letzten Jahr wird die zukünftige Wirtschaftsentwicklung nun wieder etwas positiver von den Einwohnern Luxemburgs eingeschätzt. Dies geht aus den Ergebnissen der zweiten Frage hervor: „Mengt Dir, dass dat nächst Joer 2007 am Verglach mat dësem Joer, e Joer vu wirtschaftlechem Opschwong, wirtschaftleche Schwieregkeeten oder d’selwecht wéi elo wärt ginn?“
Der Anteil jener Bürger, die von einem Aufschwung der Wirtschaft ausgehen, stieg im Vergleich zum Vorjahr um 7% auf insgesamt 19%. Andererseits rechnen mit 36% fast doppelt so viele Menschen mit einem Jahr von wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Aber immerhin hat sich damit auch der Pessimisten-Anteil um 7% gegenüber dem letzten Jahr verringert. 43% der Befragten schließlich geben an, dass sie nicht mit einer Veränderung der wirtschaftlichen Entwicklung im kommenden Jahr rechnen.

Obwohl die öffentliche Meinung zwar wieder merklich positiver geworden ist, überwiegt eine vorsichtige Haltung. Für positive Stimmung dürften hingegen die Wirtschaftsprognosen des STATEC gesorgt haben. Die vom nationalen statistischen Amt publizierten Wachstumsraten des Bruttoinlandsprodukts (BIP) liegen bei 5,5% für 2006 und 4% für 2007.
Im westeuropäischen Vergleich gehören die Luxemburger nach wie vor zur Gruppe jener Länder, in denen die pessimistische Einstellung bezüglich der künftigen wirtschaftlichen Entwicklung besonders stark ausgeprägt ist. Pessimistischer sind in Europa nur noch die Portugiesen und Griechen (jeweils 54%), die Belgier (47%), Italiener (44%) und Bulgaren (45%). Die Länder mit dem geringsten Anteil an Pessimisten sind Dänemark (9%), Irland (12%), die Niederlande (14%), Island und Finnland (jeweils 15%). Auch bei der Einschätzung der zukünftigen wirtschaftlichen Lage ist ein ausgeprägtes Nord-Süd-Gefälle in Europa zu erkennen. Die südeuropäischen Länder sind weitaus pessimistischer als die Staaten im Norden Europas.
Die Beschäftigungslage
Die Einschätzungen der Luxemburger zur Entwicklung des Arbeitsmarkts bleiben auch in der diesjährigen „Voice of the People Survey“ negativ behaftet und liegen einigermaßen nahe an den Ergebnissen der vier letzten Erhebungen der Jahre 2002 bis 2005. Insgesamt 71% der Befragten schätzten, dass sich die Zahl der Arbeitslosen im nächsten Jahr leicht (60%) oder viel (11%) erhöhen wird. Nur 17% waren vom Gegenteil überzeugt. Mit einem Bevölkerungsanteil von 71%, der eine Erhöhung der Arbeitslosenrate erwartet, wurde der diesbezügliche Vorjahresspitzenreiter Luxemburg in diesem Jahr nur von den Indonesiern (81%), den Philippinen (75%) und Indern (72%) überholt. Dabei ist jedoch zu relativieren, dass im Gegensatz zu zahlreichen anderen Ländern, der Großteil der Luxemburger nur von einer leichten, nicht etwa von einer starken Erhöhung der Arbeitslosenzahlen ausgeht.

Trotz der überwiegend skeptischen Haltung, kann im Vergleich zum Vorjahr eine Zunahme des Anteils der Optimisten (+6%) registriert werden. Der Anteil jener, die ein Ende der Talsohle sehen, nimmt somit zwar leicht zu, unter dem Strich bleibt jedoch die außerordentlich pessimistische Haltung der Bevölkerung zur Entwicklung der Arbeitslosigkeit. Die wesentlichen Veränderungen der öffentlichen Meinung im Zusammenhang mit der Beschäftigungslage können überwiegend auf die Jahre 2001 und 2002 zurückgeführt werden. In diesen Jahren, in denen die Arbeitslosenquote in Luxemburg erkennbare Schritte nach oben machte, kam es auch in den Umfragen zu einem deutlichen Anstieg des Anteils jener, die höhere Arbeitslosenzahlen für das kommende Jahr erwarteten. Das Muster, das sich 2002 etablierte, blieb trotz einer beträchtlichen Erhöhung der Arbeitslosenzahlen nach 2002 mehr oder weniger bis heute erhalten.
Zum Stichwort „Sicherheit des Arbeitsplatzes“ sagen 76% der berufstätigen Befragten, ihr Arbeitsplatz sei sicher, während 18% äußerten, es bestehe ein Risiko, die Arbeitsstelle zu verlieren.

Die schwierige Situation auf dem Arbeitsmarkt spiegelt sich deutlich in den Angaben zur Arbeitsplatzsuche wider. Wäre der Befragte in der Situation, sich eine neue Arbeit suchen zu müssen, so geben 34% an, sie würden rasch wieder eine neue Arbeitsstelle finden. Die große Mehrheit der Befragten (55%) gibt allerdings zu bedenken, dass es längere Zeit dauern könnte, bis eine neue Beschäftigung erlangt werden könnte.

Diese Ergebnisse können allerdings relativiert werden, bedenkt man einerseits, dass ein Großteil der Befragten (76%) angibt, über eine sichere Arbeitsstelle zu verfügen. Damit liegt das Großherzogtum leicht über dem westeuropäischen (72%) und stark über dem osteuropäischen (56%) Durchschnittswert. Andererseits jedoch weisen 14% der hierzulande lebenden Berufstätigen, neben dem Risiko des Arbeitplatzverlustes, zusätzlich darauf hin, dass die Suche nach einer neuen Arbeit wahrscheinlich eine längere Zeit in Anspruch nehmen könnte. Weitere 3% schließlich sehen ein Risiko, ihre Arbeit zu verlieren, rechnen hingegen damit, schnell wieder eine neue Stelle zu finden. Die verbleibenden 7% der Berufstätigen gaben keine Einschätzung zur Sicherheit ihres Arbeitsplatzes.
Sozialkonflikte
59% der Luxemburger glauben - was das Ausmaß der Sozialkonflikte anbelangt - an keine wesentlichen Veränderungen für das kommende Jahr 2007. Der Anteil jener, die annehmen, dass es im nächsten Jahr mehr Sozialkonflikte geben wird, ist um 6% gegenüber dem letzten Jahr gestiegen und liegt nun bei 36%. Dafür verantwortlich sind wohl in erster Linie die Schülerproteste im Vorfeld der Verabschiedung des Gesetzes 5611 sowie allgemein das von der Tripartite in die Wege geleitete Maßnahmenpaket, darunter etwa die Verschiebung der Indexanpassung für Löhne und Gehälter, Abkopplung des Kindergeldes vom Index, Erhöhung der Solidaritätssteuer sowie der Beiträge zur Pflegeversicherung, usw.

Weiterhin besteht ein enger Zusammenhang zwischen der Sichtweise der Befragten zur wirtschaftlichen Entwicklung und den Meinungen über die zu erwartende Zahl von Sozialkonflikten. So erwarten etwa 53% der Personen, die ein Jahr von wirtschaftlichen Schwierigkeiten prognostizieren, eine Zunahme der Sozialkonflikte im neuen Jahr. Ganz anders hingegen jene, die an einen wirtschaftlichen Aufschwung glauben: nur 19% dieser Personen erwarten mehr Sozialkonflikte während die große Mehrheit (75%) von einer gleich bleibenden Anzahl der Sozialkonflikte ausgeht.
Internationale Konflikte
Auf die Frage „Mengt Dir, dass dat nächst Joer 2007 e rouegt Joer gëtt ouni vill international Konflikter oder en onrouegt Joer mat villen internationalen Streidereien, oder bleiwt et d'selwecht wéi elo?“ antworteten 57% der befragten Einwohner Luxemburgs, dass das Jahr 2007 zahlreiche internationale Konflikte bringen wird, ein Plus von immerhin 7 Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahr. 39% gehen davon aus, dass die Zahl der internationalen Konflikte stabil bleibt, während nur 2% ein friedliches Jahr mit wenig internationalen Auseinandersetzungen erwarten.

Die Luxemburger gehören - wie auch im letzten Jahr - zu den Ländern, die eine eher pessimistische Sichtweise zur zukünftigen Entwicklung des internationalen Friedens einnehmen. Der in Luxemburg gemessene Anteil (57%) jener, die ein unruhiges Jahr mit zahlreichen internationalen Streitigkeiten erwarten, wird unter den 58 Ländern, die an der Voice of the People Survey teilnahmen, nur von den US-Bürgern (58%) übertroffen.